Transformation coming soon! Ergebnisse der OpenAccess-Podiumsdiskussion

Ein Rückblick von Dr. Tobias Pohlmann: Im Senatssaal im Sophie-Henschel-Haus blieben am 5. November um 18 Uhr nur wenige Stühle unbesetzt, als die Podiumsdiskussion zum Thema Open Access: Wissenschaftliches Publizieren im Wandel startete, zu der die Universitätsbibliothek eingeladen hatte.
Das Impulsreferat von Dr. Ralf Schimmer, dem stellvertretenden Leiter der Max Planck Digital Library (MPDL), München weckte schnell die Aufmerksamkeit aller Anwesenden.

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Neueste Erkenntnisse zur Open Access-Entwicklung lieferte der Vortrag von Dr. Ralf Schimmer

Ausführlich berichtete er über die spannenden Ergebnisse einer Studie der MPDL, die weltweit großes Echo hervorgerufen hat. Demnach sei eine Transformation zu Open Access (OA) aus wirtschaftlicher Sicht problemlos möglich. OA könne seiner Einschätzung nach bis zu 90% des derzeitigen Subskriptionsmodells ersetzen. Dafür sei bereits genug Geld im derzeitigen System vorhanden. Aller Voraussicht nach müssten sich durch einen Umstieg auf OA die Kosten der wissenschaftlichen Institutionen sogar reduzieren, wenn diese ihre Gelder für Author Processing Charges (APC) einsetzten, um ihren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Veröffentlichungen in OA-Journals zu ermöglichen, anstatt sie zur Lizenzierung wissenschaftlicher Zeitschriften zu verwenden. Dr. Schimmer betonte, dass es nicht darum gehen dürfe, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von OA überzeugen zu müssen, sondern ihre bevorzugten Journals mit entsprechendem Renommee in das vorhandene OA-Modell zu transformieren. Präsentation zum Vortrag

Die nachfolgende Diskussion, moderiert von Margo Bargheer von der SUB Göttingen, brachte unterschiedliche Aspekte einer OA-Transformation zur Sprache. Prof. Dr. Jan Hemming vom Institut für Musik wies darauf hin, dass das derzeitige System zur Bewertung wissenschaftlicher Leistung sehr an die Impact Faktoren und das Renommee klassischer Subskriptionszeitschriften gebunden sei, und man es sich als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler nicht unbedingt leisten könne, in weniger renommierten OA-Zeitschriften zu publizieren. Für die eigene wissenschaftliche Beurteilung sei es da für Forscherinnen und Forscher mitunter eher zweitrangig, welche Finanzierungsprobleme das gegenwärtige System für die Universitätsbibliotheken auf Dauer mit sich bringe.
Dem entgegnete Dr. Tobias Pohlmann, Open-Access-Beauftragter an der UB, dass das Renommee einer Zeitschrift kein Verdienst der Verlage, sondern der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbst sei, die als meist ehrenamtliche Herausgeber, Gutachter und Autoren die Qualität der Inhalte sicherstellen. Diese Leistung könne genauso gut für OA-Journals erbracht werden.

Auch Prof. Dr. Alexander Roßnagel, CIO der Universität Kassel, betonte, dass es Impact Faktoren oder vergleichbar einfach zu handhabende Kennwerte auch weiterhin geben müsse, um z.B. in Berufungsverfahren die wissenschaftliche Leistung schnell beurteilen zu können. Hierzu wandte Dr. Ralf Schimmer ein, dass die wenig aussagekräftigen und zudem von einem kommerziellen Anbieter ermittelten Impact Faktoren im Zuge einer OA-Transformation sehr schnell zugunsten anderer, besser geeigneter und von der Öffentlichkeit nachvollziehbarer Metriken ersetzt würden.

Die Kasseler Physikerin Prof. Dr. Christiane Koch berichtete, dass in ihrer Fachdisziplin OA bereits gut etabliert sei, was auch mit der Fachkultur zusammenhänge, da die bei Verlagen eingereichten Artikel in der Physik immer auch sofort als Preprint auf arXiv frei zugänglich eingestellt würden. Ihre Tätigkeit als Gutachterin für Elsevier-Zeitschriften hat sie mittlerweile eingestellt, sieht aber ein generelles Problem in der Bewältigung des Peer Reviews aufgrund der zunehmenden Anzahl an erscheinenden Papern. Das Peer-Review-Verfahren könne jedoch am Leben erhalten werden, wenn jede Wissenschaftlerin bzw. jeder Wissenschaftler bereit wäre, jährlich genauso viele Artikel zu begutachten, wie er oder sie selbst publiziert. Sie selbst verfahre bereits nach diesem Grundsatz.

Während Dr. Pohlmann nachfragte, wie es gelingen könne, an der Universität Kassel APC-Ausgaben für Beiträge in OA-Zeitschriften nicht dauerhaft als zusätzlichen Finanzierungsposten der UB zu sehen, sondern mittelfristig durch Einsparungen im Subskriptionsbereich zu kompensieren, konstatierte Prof. Roßnagel, dass ein Umstieg auf OA nicht an einer Einrichtung im Alleingang erreicht werden könne, sondern nur durch eine konzertierte, weltweite Aktion, wie von der Max Planck Gesellschaft (MPG) angestrebt. Die MPG arbeitet bereits an einer solchen Aktion, deren nächster Schritt die 12. Berlin Konferenz zu OA im Dezember 2015 sein wird. Auf Einladung der MPG werden dort wissenschaftliche Forschungsorganisationen aus aller Welt diskutieren, auf welchem Weg sich eine OA-Transformation beschleunigen lässt, um die OA-Zuwachsraten der vergangenen Jahre noch entscheidend zu steigern und eine Wende im wissenschaftlichen Publizieren zu erreichen. Nach Aussage von Dr. Schimmer bereiteten sich auch die großen Verlage inzwischen auf den OA-Umstieg vor, versuchten aber gleichzeitig, diesen hinauszuzögern. Der Springer-Verlag nehme mit seinen OA-Angeboten bereits heute eine Vorreiterrolle unter den großen Wissenschaftsverlagen ein.

Fazit: Ob die Transformation gelingen wird, weiß heute noch niemand, aber die Zeichen stehen nicht schlecht!

Ein weiterer Bericht zur Podiumsdiskussion am 05. 11. findet sich unter netzpolitik.org

 

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