Open Access Week 2018 – Tag 5

Ein Beitrag von Arvid Deppe, Stellvertretender Leiter der Abteilung III: Digitale Bibliotheksdienste, Referat Forschungsdatenmanagement, Fachreferent für Klassische Philologie, Allgemeines, Informations- und Bibliothekswissenschaft

OA-Monografien
OA hat seinen Ursprung in den STM-Fächern (Science, Technology, Medicine) und nach wie vor haben die meisten OA-Initiativen v.a. Zeitschriftenpublikationen im Blick. Dies ist wenig überraschend angesichts der Publikationskultur (hohe Output-Frequenz, geringerer Umfang, große Bedeutung der Aktualität) und der finanziellen Rahmenbedingungen des STM-Marktes.

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Allerdings gewinnt die Idee des offenen Zugangs zu Forschungsergebnissen auch im Bereich der Monografien immer mehr an Bedeutung. Zugleich ist der Markt hier deutlich heterogener als im Zeitschriftenbereich und auch das Feld möglicher Geschäftsmodelle ist größer und experimenteller. Das OA-Modell klassischer Verlage wie Springer oder de Gruyter stellt nur eines von vielen dar. Autor/innen zahlen hier neben den im Printbereich üblichen Gebühren (Druckkostenzuschüsse/Pflichtabnahmen) einen nicht geringen Aufpreis für zusätzliche OA-Verfügbarkeit. Anders verhält es sich da in klassischen institutionellen Verlagen, z.B. Universitätsverlagen wie KUP, die mehrheitlich auf nichtkommerzieller Basis agieren und parallel zur kostenpflichtigen gedruckten Monografie eine OA-Version ohne Aufpreis anbieten. Über kostenpflichtige Zusatzleistungen wie beispielsweise pdf-/epub-Versionen tragen sich sogenannte „Freemium“-Modelle wie OpenEdition, und bei Crowdfunding-Modellen wie Knowledge Unlatched werden die Herstellungskosten ausgewählter Bücher über eine „Einkaufsgemeinschaft“ wissenschaftlicher Einrichtungen übernommen, wobei der Verlag die entsprechenden Bücher gleichzeitig OA zur Verfügung stellt. Direkt aus der jeweiligen Fachcommunity heraus und ganz ohne Anbindung an einen Verlag wird dagegen in Community-Modellen wie Language Science Press und Open Humanities Press publiziert.

Dies ist nur eine kleine Auswahl einer Vielzahl nationaler und internationaler Modelle und Initiativen rund um OA-Monografien. Und wenngleich sich sicher einige von ihnen nicht werden etablieren können, bleibt angesichts der verschiedenen Fachkulturen eine gewisse Vielfalt unvermeidbar und – angesichts der Folgen der Marktkonzentration am Zeitschriftenmarkt – auch wünschenswert. Der mit Blick auf diese Vielfalt des Marktes wichtigen Verzeichnung von Open-Access-Büchern widmen sich übrigens Projekte wie OAPEN (Open Access Publishing in European Networks) und DOAB (Directory of Open Access Books).

Autor/innen und Herausgeber/innen sollten OA auch bei Monografien als Option grundsätzlich in Erwägung ziehen und sich bei Vertragsverhandlungen über entsprechende Möglichkeiten auch der Zweitveröffentlichung informieren – nicht zuletzt im Sinne einer höheren Sichtbarkeit, größerer internationaler Reichweite und häufigerer Nutzung der eigenen Werke, wie sie zuletzt durch eine aktuelle Studie von OAPEN-CH auch für Monografien nachgewiesen wurden.

Ausblick
Open Access ist nicht weniger als ein Paradigmenwechsel im wissenschaftlichen Publikationssystem, der Chancen wie auch Herausforderungen mit sich bringt. Die Aufbruchsstimmung der sich formierenden OA-Bewegung um die Jahrtausendwende ist dabei bis zu einem gewissen Grad pragmatischen Fragen gewichen. Diese zeigen zugleich, dass es bei der Frage nach OA mittlerweile weniger um das ‚Ob‘ als um das ‚Wie‘ geht.

Nicht zuletzt die verschiedenen Publikationskulturen, Reputationssysteme etc. sind Gründe dafür, dass es auf diese Frage nach dem ‚Wie‘ nicht eine, sondern viele Antworten gibt – einige etabliertere, einige experimentellere, einige, die auf der Strecke bleiben. Das Publikationswesen ist im Wandel und der Status Quo nur eine Momentaufnahme. Neue Entwicklungen werden neue Publikationsformen und damit neue Anforderungen mit sich bringen, auch für OA. Bibliotheken, Forschungsförderer, Wissenschaftler/innen, Politik und Verlage sind gefordert, gemeinsam die Bedingungen für ein nachhaltiges, offenes und wissenschaftsnahes Publikationssystem zu schaffen.

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