Verschollene Gänseliesel wiederentdeckt

Auf dem Dachboden der Murhardschen Bibliothek in Kassel wurde bei der Durchsicht älterer Geschenke die seit Jahrzehnten verschollene Orchesterfassung der Märchenoper ‚Gänseliesel‘ von Luise Greger (1862 – 1944) wiederentdeckt.

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Luise Greger, 1899

Bekannt war bisher lediglich ein Klavierauszug der im Dezember 1933 in Baden-Baden unter großem Applaus uraufgeführten Märchenoper. Dieser hatte 2012 als Grundlage für die Rekonstruktion und kammermusikalische Aufführung des Stücks in Kassel gedient. Der überraschende Fund, im Jahre ihres 155. Geburtstags, stammt aus dem Spätwerk der produktiven und beliebten Kasseler Komponistin und Kammersängerin.

Als jüngstes von vier Kindern 1862 in Greifswald geboren, erhielt Luise schon früh Klavier- und Kompositionsunterricht und besuchte in den 1880er Jahren die Königliche Musikhochschule in Berlin. Sie heiratete 1888 den Arzt Ludwig Greger, aus der Ehe gingen drei Söhne hervor. 1894 eröffnete das Paar eine erfolgreiche Kuranstalt in der Burgfeldstraße in Kassel-Wilhelmshöhe. In der Folgezeit konnte Luise Greger sich nur noch eingeschränkt der Musik widmen. Erst nach ihrer Scheidung 1911 wirkte sie wieder verstärkt als Sängerin, Pianistin, Liedkomponistin und Gastgeberin in ihren musikalischen Salons.

Nach dem Tod ihres ältesten Sohnes Helmuth, mit dem sie eine enge Beziehung verband, zog Luise Greger 1939 in das so genannte „Siechenhaus Hofgeismar“. Von dort aus wurde sie im Dezember 1943 im Rahmen des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms mit einem Sammeltransport in die psychiatrische Anstalt Merxhausen verlegt, wo sie infolge gezielter Unterversorgung im Januar 1944 starb. Ihr Grab befindet sich auf dem Wahlershäuser Friedhof in Wilhelmshöhe.

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Luise Greger: Gänseliesel, 1933, Orchesterfassung, 1. Violine

Gregers etwa 170 Liedkompositionen, unter anderem zu Texten von Theodor Storm und Johann Wolfgang von Goethe, wurden über die Grenzen Deutschlands hinaus geschätzt und aufgeführt. Die Märchenoper ‚Gänseliesel‘ zählt zu Luise Gregers letzten Werken. Das Libretto basiert auf dem Märchenspiel der in Baden-Baden ansässigen etwa gleichaltrigen Emilie Riedel (1861-1945). Der Text erschien um 1933 als Privatdruck und ist heute nur noch in drei Exemplaren nachweisbar.

Das Märchenspiel in 10 Bildern erzählt die Geschichte der Gänseliesel, einem Waisenkind aus Hungersdorf, das sich auf den Weg zu Verwandten nach Glücksdorf macht. Auf dem Weg schläft sie im Spukwald ein und gelangt in ein Zauberreich, wo sie auf allerlei Elfen und andere Gestalten trifft, die Liesel zu einem Tanz im Mondschein auf die Elfenwiese führen. Während die Verwandten die Ankunft des Mädchens erwarten, macht sich der Ziegenhirte Peter, Liesels bester Freund, auf die Suche nach ihr. Nachdem er die träumende Liesel geweckt hat, wandern sie gemeinsam nach Glücksdorf, wo das Kind von der Begegnung mit den Zauberwesen berichtet. Der letzte Teil enthält die Schilderung eines Tanzfestes zu Erntedank, der Feier des Nikolaustages und des Kirchgangs am Weihnachtsabend. Mit einem Happy End und einer weihnachtlichen Friedensbotschaft endet das Stück.

Der überraschende Fund der Märchenoper beflügelt auch Überlegungen zu einer umfassenderen Würdigung der Komponistin anlässlich ihres 75. Todestages 2019, unter Beteiligung der Familie und des Furore-Verlags Kassel, der sich seit Jahren stark für das Werk Luise Gregers engagiert.
Das historische Original der Musikalie wurde in der Universitätsbibliothek Kassel digitalisiert und ist über das Onlinearchiv der Universität ORKA weltweit und kostenfrei zugänglich.

Digitalisat: https://orka.bibliothek.uni-kassel.de/viewer/image/1511175017375/1/

Kontakt:
Dr. Brigitte Pfeil
Universitätsbibliothek Kassel
Leitung Abteilung IV: Landesbibliothek, Leitung der Sondersammlungen
Telefon +49 561 804-7344
pfeil@bibliothek.uni-kassel.de

 

Neu: Digitales Grimm-Portal

Mit dem Start der Online-Plattform Grimm-Portal am 24. Oktober 2017
ist ein zentrales Ziel der seit 2012 bestehenden Kooperation zwischen dem Hessischen Staatsarchiv Marburg und der Universitätsbibliothek Kassel erreicht. Damit erfüllt sich der Wunsch der Initiatoren, sukzessive die dezentral aufbewahrten Grimmbestände Nordhessens zentral zugänglich zu machen. Das Portal umfasst derzeit mehr als 54.000 digitalisierte Seiten, darunter 2.380 Briefe und mehr als 500 Handschriften. Sowohl die Grimmbestände der UB wie auch die vom Staatsarchiv und der Stadt Kassel stehen damit Forschern und interessierten Laien in einer eigens entwickelten thematisch strukturierten Umgebung  weltweit und kostenfrei zur Verfügung.

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Herzlich Willkommen!

Sie sind neu an der Universität und möchten die Bibliothek kennenlernen? Machen Sie mit uns einen kleinen Rundgang durch die Campusbibliothek am Holländischen Platz. Unser Willkommen!-Video gibt Ihnen die ersten Infos zur Orientierung im Gebäude. Weitere Videos zum Thema Medien suchen und ausleihen und Lernen und Arbeiten in der Bibliothek finden Sie auf unserem YouTube-Kanal. Und alle weiteren Fragen beantworten wir Ihnen gern an der Servicetheke.

 

(M)Ein Carrel in der Bibliothek

Die Nachfrage nach Einzelarbeitsräumen (Carrels) in der Bibliothek ist in den vergangenen Monaten stark angestiegen. Konzentriert und in unmittelbarer Nähe der Bibliotheksbestände zu arbeiten, ohne den Platz am Abend räumen zu müssen, dieses Angebot bietet die UB Studierenden für die Monate der Abschlussphase. Die Zahl der neuen attraktiven Räume, die kostenfrei gebucht werden können, ist allerdings begrenzt. Insgesamt 56 Carrels gibt es in der Campusbibliothek, die Wartezeit beträgt teilweise mehrere Monate.

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Unsere Empfehlung ist daher, die Beantragung so frühzeitig wie möglich an die Carrelverwaltung der UB weiterzugeben. Voraussetzung ist die offizielle Anmeldung zum Abschluss (Stempel und Unterschrift des Fachbereichs). Weitere Informationen zu den Carrels und das Antragsformular finden Sie auf unserer Webseite.

ORKA: verbessert durch Update

ORKA, das Onlinearchiv der Universität Kassel – gewissermaßen deren digitale Schatzkammer – wird von uns gehegt und gepflegt. Das bezieht sich nicht nur auf die ständig neu hinzukommenden Inhalte und wertvollen Schätze, sondern auch auf die technische Basis, auf der das Archiv aufgebaut ist. Ganz aktuell haben wir zum Beispiel ein Update live geschaltet, welches die Funktionen von ORKA weiter verbessert.

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Neben einigen kleineren optischen und inhaltlichen Verbesserungen wurden auch größere technische Anpassungen vorgenommen. Zudem bieten wir auch Neuerungen an: Wir haben beispielsweise die mobile Ansicht aktualisiert, es besteht nun die Möglichkeit einer Doppelseitenansicht, außerdem wurden die Suche sowie die Suchtrefferanzeige optimiert.

Daneben gibt es auch im ORKA-Maschinenraum Updates. Einige davon helfen uns, interne Prozesse zu optimieren, andere werden wir demnächst an den Start bringen. Darüber halten wir Sie an dieser Stelle und auch über andere Kanäle wie gewohnt auf dem Laufenden. Schreiben Sie uns aber gern jetzt schon, wenn Ihnen die neue ORKA-Version gefällt oder falls Sie Hinweise oder Verbesserungsvorschläge für uns haben: als Kommentar gleich hier im Blog oder per Mail.

 

SanierungsNebenwirkungen…

Zur Sanierung am Brüder-Grimm-Platz und den Nutzungseinschränkungen bei Handschriften und Alten Drucken – Seit Juni 2017 wird neben der Campusbibliothek am Holländischen Platz auch das Gebäude der Murhardschen Bibliothek am Brüder-Grimm-Platz umfassend saniert.

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Weltchronik <Rudolf von Ems> – Signatur:   – Mittelhochdeutsche Handschrift aus dem Jahr 1385 – Bestand der Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Kassel

Neben Lärm und den Umzügen großer Bestandsgruppen bringen die Bauarbeiten auch Veränderungen bei der Nutzbarkeit von Beständen mit sich. Davon betroffen ist unter anderem die Abteilung Sondersammlungen: diese kann bis auf Weiteres Bestellwünsche zu ihrem historischen Bestand nur noch eingeschränkt erfüllen. Die Mitarbeiterinnen der Abteilung geben ihr Bestes. Wir bitten aber um Verständnis, wenn wegen der (sanierungsbedingt) schwer zugänglichen Sondermagazine großformatige oder sehr umfangreiche Bestellungen nicht oder nur teilweise bereitgestellt werden können. Digitalisate unserer Handschriften und Alten Drucke finden Sie im Onlinearchiv der Universität Kassel ORKA.

Mit Abschluss der Bauphase (voraussichtlich im Sommer 2019) verfügt die Abteilung Sondersammlungen dann über deutlich verbesserte Räumlichkeiten, zu denen unter anderem ein größerer Handschriftenlesesaal, mehr Magazinflächen sowie ein neuer Ausstellungsbereich gehören werden.

Schließfächer für den Tag

Die Sportsachen, das Lunchpaket oder der kleine Regenschirm – damit Sie Ihre Sachen in der Bibliothek nicht überall mit hinnehmen müssen, gibt es an allen Standorten der Bibliothek Schließfächer. Die meisten lassen sich über eine Pfandmünze schließen. Für die neuen Fächer in der Eingangshalle der Campusbibliothek nutzen Sie einfach die CampusCard, das erspart Ihnen die Suche nach einem Zwei-Euro-Stück. Dafür aktivieren Sie einmalig die CampusCard am Touchpoint in der Eingangshalle.

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Lernen mit leichtem Gepäck – Die Schließfächer in der Uni-Bibliothek

Damit möglichst viele Nutzerinnen und Nutzer bei Ihrem Besuch der Bibliothek freie Fächer vorfinden, ist die Nutzung auf die Öffnungszeiten begrenzt. Das heißt, die Inhalte von Fächern, die am nächsten Morgen noch belegt sind, gehen zum jeweiligen Standort-Fundbüro. In der Campusbibliothek führt die Räumung außerdem zu einer Sperrung der CampusCard. Die Entsperrung übernimmt die Carrelverwaltung zu den gewohnten Öffnungszeiten.

Lernen am Brüder-Grimm-Platz

Damit Sie auch während der langen Sanierungsphase in der Bibliothek am Brüder-Grimm-Platz möglichst störungsfrei lernen können, haben wir die Zonierung der Arbeitsplätze im Haus für Sie geändert.

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In der „Murhardschen“ trotz Sanierung störungsfrei arbeiten – Neue Zonierung der Lernplätze

Den Gruppenarbeitsbereich zum gemeinsamen Lernen finden Sie jetzt im ersten Obergeschoss rechts (roter Teppichboden). Einzelarbeitsplätze für konzentriertes und ruhiges Arbeiten stehen Ihnen im Erdgeschoss in der Rotunde des Eulensaals und im Eulensaalfoyer zur Verfügung. Damit Sie sich schnell zurecht finden, haben wir die Zonen mit entsprechenden Piktogrammen beschildert.

Die Sanierungszeit, das ist uns bewusst, wird für Sie als NutzerInnen wie für uns als MitarbeiterInnen eine Herausforderung. Aber wir versprechen Ihnen, alle Möglichkeiten zu nutzen, um die Murhardsche auch während der Bauphase als ruhigen und angenehmen Lernort für Sie zu erhalten. Ihre Anregungen dazu sind willkommen!


Baustart in der Murhardschen

Was ursprünglich für das Jahr 2013 geplant war, geht nun endlich an den Start:
der neue Anbau für die Murhardsche Bibliothek am Brüder-Grimm-Platz mit  zweigeschossigem neuen Lesesaal mit Blick ins Blätterdach des Murhardparks sowie Magazinflächen und einem attraktiven Ausstellungsbereich für das wertvolle historische Erbe der Universitätsbibliothek, wird im ersten Sanierungabschnitt errichtet.

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Der neue Anbau der Murhardschen Bibliothek am Brüder-Grimm-Platz

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