Schnelles Handeln für den Kulturschutz: Notfallverbund Nordhessen in Kassel übt Ernstfall

Der seit 2016 bestehende Notfallverbund Nordhessen führte in Kooperation mit der Archivberatung Hessen (Hessisches Landesarchiv) und unter fachkundiger Anleitung der Papierrestauratorin Jana Moczarski Ende Juni erstmals eine ganztägige Notfallübung durch, bei der die Zusammenarbeit der Mitarbeitenden aus rund 15 Archiven und Bibliotheken bei einem simulierten Großschadensereignis praktisch erprobt wurde.

Bei dieser gemeinsamen Übung wurden die Abläufe einer fachgerechten Bergung und Versorgung von Archiv- und Bibliotheksgut bei einem großen Wasserschaden gemeinsam geübt, um praktische Erfahrungen zu sammeln, die es den Teilnehmenden ermöglichen sollen, auch in Extremschadenssituationen zielgerichtet handlungsfähig zu bleiben.

Bild: UB/LMB Kassel

Nach einem theoretischen Teil am Vormittag, in dem Frau Moczarski über das korrekte Bergen und Verpacken durchnässter oder beschädigter Archivalien, Karten und Bücher referierte und Themen wie die Koordinierung von Logistik und Kommunikation in Notfallsituationen im Mittelpunkt standen, schloss sich am Nachmittag die praktische Übung an.

Hierbei musste das zuvor seit mehreren Tagen gewässerte und folglich hochgradig durchfeuchtete Archiv- und Bibliotheksgut (von Akten über Karten und Bücher bis hin zu Fotos und CDs) versorgt werden. Dabei wurden unter anderem Bücher und Akten in Stretchfolie verpackt, wieder in Form gedrückt und mit Mullbinden stabilisiert, um sie für die sich theoretisch daran anschließende Tiefkühlung und Gefriertrocknung vorzubereiten.

Bei glücklicherweise warmem Sommerwetter wurden so mit dem triefnassen Material Abläufe geprobt, in denen sowohl die schnelle Koordination der Rettung und Bergung als auch die spezielle Expertise der Fachkolleginnen und -kollegen im Umgang mit sensiblen Dokumenten und Archivmaterialien gefragt waren.

Nachdem alles fachgerecht verpackt war, war man sich einig: Die Übung hat deutlich gemacht, dass die Prävention und der Schutz unserer Archive vor potentiellen Schadensfällen absolute Priorität haben muss. Ist nämlich ein Großschaden erst einmal eingetreten, dann wird es bei allem Optimismus wohl nicht möglich sein, den gesamten geschädigten Bestand eines Archivs zu retten.

Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die kontinuierliche Optimierung der Notfallplanung der beteiligten Archive und Bibliotheken ein, um die Sicherheit und den Schutz der Kulturgüter in Nordhessen nachhaltig zu stärken.

Ein Beitrag von Dr. Brigitte Pfeil


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