COAR-Narrative: Repositorien sind wichtiger denn je

COAR-Logo mit dem Text "Confederation of Open Access Repositories"

Die aktuellen technischen und politischen Entwicklungen sind aus mehreren Perspektiven besorgniserregend: „Digitale Souveränität“ lautet einer der Sorgenpunkte, „Glaubwürdigkeit der Wissenschaft“ ein weiterer, um nur zwei zu nennen. Vertrauen wird in der Wissenschaft durch die Überprüfbarkeit der Ergebnisse und Methoden hergestellt – diese setzt eine möglichst freie Verfügbarkeit der Materialien (Publikationen, Software und Daten) aus den Forschungsvorhaben voraus. Und frei verfügbare Materialien können nur dann als stabile Grundlage für gesellschaftliche und politische Entscheidungsprozesse dienen, wenn ihre langfristige Aufbewahrung inklusive der unverzichtbaren Kontextinformationen gewährleistet ist. Die gute Nachricht? Die nötige Infrastruktur ist da, wir müssen sie nur nutzen! Repositorien (Publikationsserver, Textrepositorien, Datenrepositorien), meist in institutioneller Hand, verzeichnen wissenschaftliche Outputs, stellen sie zur Überprüfung und Nachnutzung bereit und bewahren sie langfristig auf. 

Wie wir mit wissenschaftlichen Repositorien die aktuellen Herausforderungen angehen können, beschreibt eine Sammlung mehrerer Texte („narratives“) der Confederation of Open Access Repositories (COAR) aus verschiedenen Blickwinkeln. Die bisher vier veröffentlichten Narrative diskutieren, jedes mit einem eigenen Schwerpunkt, die Rollen und Möglichkeiten von Open-Access-Repositorien. Eine kleine Geschmacksprobe geben die folgenden Ausschnitte.

Digitale Souveränität

In Narrativ Nr. 4 liegt der Fokus auf der digitalen Souveränität. Repositorien sind genau die Infrastruktur, mit der Institutionen, Länder und Kontinente die Hoheit über die unter ihrem Dach erzielten Forschungsergebnisse behalten können. 

Repositories are purpose-built to manage research outputs under the stewardship of the institutions and communities that produced them, offering a considerably more secure and accountable alternative to entrusting a nation’s research heritage to foreign commercial entities.1 

Der Text gibt einige Beispiele und weist außerdem darauf hin, dass Repositorien ja nicht erst jetzt entstehen, sondern bereits seit Jahrzehnten zuverlässig arbeiten, während sie ihre Expertise Stück für Stück weiter ausbauen. 

They have been part of the scholarly landscape for more than two decades, quietly performing functions that are only now being recognised as geopolitically significant.2

Gerade die verteilte Repositorienlandschaft, mit vielen Repositorien in den Händen verschiedenster Institutionen, Größenordnungen und Verantwortlichkeiten, bietet im Hinblick auf digitale Souveränität dabei mehr Sicherheit, als einzelne, etwa landesweite zentrale Plattformen dies könnten. 

Ein blauer Hintergrund mit dem Text "Knowledge is a public good. Let's treat it like one." und dem COAR-Logo und -Slogan.

Publikationskultur

Narrativ Nr. 2 bearbeitet die Schwächen des derzeitigen Publikationssystems: „Publish or perish“, „Salami slicing“, die Flut KI-generierter Artikeleinreichungen. Auch auf diese Herausforderungen können Repositorien die Antwort sein bzw. zumindest Alternativen aufzeigen. Gemeinsamer Nenner ist die Zielvorstellung eines robusten wissenschaftlichen Publikationswesens, das so angelegt ist, dass Forschungsergebnisse von allen grundsätzlich nachvollzogen und in Frage gestellt werden können, um genau durch diese kritische Hinterfragbarkeit Fehler aufdecken und schädliche Praktiken anprangern zu können. 

This openness also creates a durable record: datasets, code, and preprints published in repositories persist beyond the lifespan of any individual project or institution, allowing findings to be revisited, re-analysed, challenged, or built upon over time.3

Auch die kommerziellen Verlage unterstützen die wissenschaftliche Integrität durch ihre Dienstleistungen im Bereich der Aufbereitung, Bereitstellung und Auffindbarkeit wissenschaftlicher Publikationen. Bei ihnen muss aber notgedrungen immer ein weiteres Interesse mitschwingen: die eigene Existenzsicherung, der eigene wirtschaftliche Erfolg. Und dieses kann eben manchmal im Widerspruch zu den Interessen der Wissenschaft stehen, etwa wenn bei der Annahme von Publikationen auf deren potenziellen wirtschaftlichen Erfolg geschaut werden muss (so verschwinden Negativresultate oft in der Schublade) oder wenn es finanziell mehr Sinn macht, dass die Forschenden aus einem Forschungsergebnis mehrere kleinteilige Artikel produzieren statt einen umfassenden. Nicht-kommerzielle Repositorien sind diesem Zielkonflikt zumindest weniger unterworfen als kommerzielle Plattformen; häufig werden sie zudem direkt aus der Wissenschaft heraus betrieben und bleiben damit eng an den Bedarfen ihrer Zielgruppen. 

As persistent, non-commercial, and community-governed infrastructure, they are uniquely positioned to provide what the current moment demands: structured provenance metadata that makes manipulation harder to conceal, version management that preserves the audit trail of evolving research, correction and retraction signalling that closes the gaps left by publisher-only workflows, and links to open review services that make the evaluation of research visible and accountable.4

Fazit

Zwei weitere Narrative, zum Wert von Repositorien für die Öffentlichkeit sowie zu ihrem Mehrsprachigkeits-Potenzial, sind bereits auf der COAR-Webseite verfügbar, drei weitere sind angekündigt. Diese lesenswerten Reflexionen sind für Forschende, Publizierende, am Wissenschaftssystem Interessierte und mit Strategiefragen Beschäftigte eine interessante und inhaltlich in die Tiefe gehende Lektüre. 

Die Universität Kassel steuert zum Ökosystem der nicht-kommerziellen Repositorien den Publikationsserver KOBRA und das Forschungsdatenrepositorium DaKS bei. Ergänzt durch den Publikationsdienst kup und die Redaktionssoftware OJS bietet die Universität damit ihren Angehörigen niedrigschwellige Publikationsoptionen für ihren Forschungsoutput, ohne kommerzielle Interessen, aber mit professionellem Metadaten- und Sichtbarkeitsmanagement und der langfristigen Stabilität einer großen Institution im Hintergrund. Kommen Sie gern auf uns zu (z. B. per Mail an publikationsdienste@uni-kassel.de), wenn Sie Fragen oder Anliegen im Bereich des wissenschaftlichen Publizierens haben – wir unterstützen Sie gern! 


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  1. Confederation of Open Access Repositories. (2026). Safeguarding digital sovereignty through local stewardship and preservation. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.20718121, S. 4 ↩︎
  2. ebd., S. 7 ↩︎
  3. Confederation of Open Access Repositories. (2026). The role of repositories in maintaining research integrity. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.20718468, S. 4 ↩︎
  4. ebd., S. 8 ↩︎

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