Wer heute eine Akte aus der Gründungszeit der Universität nutzen möchte, recherchiert in der Archivdatenbank Arcinsys, bestellt die Verzeichnungseinheit und sieht sie im Lesesaal des UniArchivs ein. Für analoge Unterlagen sind Verfahren und Infrastrukturen seit langem etabliert. Für digitale Überlieferung stellen sich neue Fragen.
Im Archivbestand findet sich auch ein Foto eines frühen Rechners der Universitätsbibliothek. Was einst als modern galt, ist heute selbst Teil der Geschichte. Dank der Überlieferung des UniArchivs ist der technische Fortschritt sichtbar.

Digitale Informationen sind nicht vergänglicher als analoge. Ihre Erhaltung erfordert jedoch aktive technische und organisatorische Maßnahmen. E-Mails, elektronische Akten, digitale Beschlüsse oder Forschungsdaten gehören heute zum Alltag. Sie bilden die Grundlage von Verwaltungshandeln und wissenschaftlicher Praxis.
Doch sie erhalten sich nicht von selbst. Formate verändern sich, Systeme werden abgelöst und Dateien liegt verstreut über diverse Laufwerke. Personelle Fluktuation und Projektstrukturen erschweren ein nachhaltiges Wissensmanagement. Was heute verfügbar scheint, kann morgen schwer auffindbar oder nicht mehr interpretierbar sein. Wie stellen wir sicher, dass eine E-Akte aus dem Jahr 2026 im Jahr 2056 noch lesbar, nachvollziehbar und authentisch ist?
Ein strategischer Schritt
Mit dem Beitritt zum Digitalen Archiv der Hochschulen in Hessen (DAHH) schafft die Universität Kassel gemeinsam mit dem UniArchiv die strukturellen Voraussetzungen für eine nachhaltige digitale Langzeitarchivierung – und stärkt damit ihr institutionelles Gedächtnis im digitalen Zeitalter.
Das DAHH ist eine landesweite Infrastruktur zur dauerhaften Sicherung digitaler Unterlagen hessischer Hochschulen. Technische Grundlage ist die im DIMAG-Verbund entwickelte Software DIMAG (Digitales Magazin), die speziell für die digitale Langzeitarchivierung ausgelegt ist und in mehreren Bundesländern eingesetzt wird. Archivwürdige digitale Unterlagen werden künftig in eine professionelle, standardisierte Umgebung überführt, die auf dauerhafte Sicherung ausgerichtet ist. Ziel ist es, digitale Überlieferung langfristig nutzbar zu erhalten.
Mehr als Datenspeicherung
Digitale Langzeitarchivierung ist kein bloßes „Abspeichern“ oder ein Back-up. Sie bedeutet, Unterlagen so zu übernehmen, zu prüfen und zu strukturieren, dass sie auch in Jahrzehnten noch auffindbar, lesbar und vertrauenswürdig sind. Dazu gehören technische Prüfungen, geregelte Übergabeprozesse sowie Maßnahmen zur Sicherung von Echtheit und Vollständigkeit. Erst dieses Zusammenspiel schafft ein digitales Gedächtnis, das künftigen Generationen verlässliche Zugänge ermöglicht. Voraussetzung dafür ist die strukturierte Aussonderung archivwürdiger Unterlagen. Das UniArchiv unterstützt die Bereiche der Universität bei der Vorbereitung und (digitalen) Ablieferung.
Archivarbeit heißt: Heute für morgen sichern.
Weitere Informationen zum Digitalen Archiv der Hochschulen in Hessen (DAHH): https://www.dahh.de
Ein Beitrag von Christoph Jobs

Dieser Beitrag – ausgenommen Zitate und anderweitig gekennzeichnete Teile – ist unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung International (CC BY 4.0) lizenziert.
Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.
Kommentare sind geschlossen.