Alles unter einen Hut bringen

Zeitgemäße Bestandspflege + nutzerorientierter Bestandsaufbau an der UB Kassel
Als Bibliothek werden wir gelegentlich gefragt: Wie macht ihr das eigentlich, dass ihr jedes Jahr zigtausend Bücher neu kauft, die vorhandenen Aufstellflächen aber gleich bleiben? Wir könnten hier antworten: Es ist kompliziert…

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Stattdessen wollen wir einen Einblick in die komplexen Zusammenhänge des modernen Bestandsaufbaus wissenschaftlicher Bibliotheken geben und uns dabei ein wenig auch an den nicht immer ganz sachlichen Argumenten von BücherfreundInnen orientieren.

Ist ja jetzt alles elektronisch!
Ja, die Digitalisierung führt seit längerem dazu, dass Bibliotheken klug überlegen müssen, welche Medien sie gedruckt und welche sie elektronisch in ihren Bestand aufnehmen. Da wir die Lesegewohnheiten der einzelnen Fachkulturen sehr gut kennen, können wir hier unsere Anschaffungskonzepte den Disziplinen anpassen. In einigen Wissenschaften (beispielsweise Geistes- und Gesellschaftswissenschaften) steht das gedruckte Buch (auch ältere Ausgaben) nach wie vor im Mittelpunkt. In anderen Disziplinen wie den naturwissenschaftlichen oder technischen, werden neue Erkenntnisse schwerpunktmäßig in elektronisch erscheinenden Formaten publiziert.

Hat die Bibliothek überhaupt noch Platz für neue Bücher?
Die vorhandenen Magazinflächen sind nicht unendlich. Im vergangenen Jahr kamen allein ca. 27.000 Bände neu zum Bestand. Im Bereich der Landesbibliothek mit ihrem speziellen Auftrag, Literatur aus und über Nordhessen zu sammeln,  werden auch alte und selten genutzte Bestände selbstverständlich behalten und gepflegt. Am Holländischen Platz war eine Revision des Bestandes erforderlich, da sich die Nutzfläche durch die Sanierung für mehrere Jahre um ein Drittel verkleinert hat. Hier wurde nach strengen Kriterien von den jeweiligen Fachreferenten geprüft, wo sinnvoll Platz für Neuzugänge geschaffen werden konnte.

Wer entscheidet eigentlich, was gekauft wird?
Im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten entscheiden FachreferentInnen der Bibliothek, häufig auf Anregung von FachwissenschaftlerInnen über Neuerwerbungen. Zusätzlich werden über die Bedarfsmeldungen der KatalogbesucherInnen individuelle Anschaffungswünsche ausgelöst. Was im Ergebnis bedeutet, dass Anschaffungen und Bedarfe immer besser übereinstimmen.

Nach welchen Kriterien wird entschieden, was aus dem Bestand genommen wird?
Bibliotheken werden heute an der Aktualität und der aktiven Nutzung ihrer Bestände gemessen. Das Neueste soll bereitstehen und Relevantes soll erhalten bleiben. Unser Ziel ist es, eine gute Balance zu halten zwischen hoher Aktualität und gutem Gespür, was für Forschung und Lehre an der Hochschule vorgehalten werden muss. Deshalb entscheiden wir bei Aussonderungen behutsam und auf der Basis von Kriterien, bei denen selbstverständlich auch die jeweilige Fachkultur berücksichtigt wird:

  • Bereits in elektronischer Form vorhanden
  • Veraltete mehrfach vorhandene Ausgabe
  • Länger als 5 Jahre nicht entliehen

Beim letzten dieser drei Kriterien bewerten, neben der statistischen Analyse, die zuständigen Fachreferenten der Bibliothek immer auch qualitativ, ob ein potentieller Bedarf weiterhin besteht. Das ist beispielsweise generell für Gesamtausgaben von Autoren anzunehmen, auch wenn diese gerade nicht in Mode sind.

Gar nicht so einfach, dieser Bestandsaufbau!
Aber keine Sorge, wir sind Experten auf diesem Gebiet, wir tauschen uns aus, wir gehören zu einem großen und gut funktionierenden Netz von Bibliotheken, die heute schnell und unkompliziert ihre Bestände per Fernleihe zur Verfügung stellen, sollte ein selten benötigtes Werk irgendwo nachgefragt werden. Unser wichtigstes Ziel ist es, unseren NutzerInnen einen hervorragenden, aktuellen Medienbestand bereitzustellen. Wenn wir dazu gelegentlich aufräumen müssen, tun wir’s mit Bedacht.

Und dass uns dies gelungen ist, zeigt unter anderem die Fernleihstatistik, hat sich doch die Zahl der Fernleihbestellungen von Kasseler NutzerInnen seit 2007 halbiert. Dass wir auf dem richtigen Weg sind, zeigt auch die positive Entwicklung der Ausleihstatistik. Während die Ausleihzahlen der meisten wissenschaftlichen Bibliotheken sinken, haben sie in Kassel deutlich zugenommen, was bedeutet, dass der Bestand für unsere Zielgruppen attraktiver geworden ist. Und, dass der Blick am Regal auf die wichtigen und richtigen Titel fallen kann, anstatt von veralteter Literatur verstellt zu werden.

Teilen Sie uns Ihren aktuellen Anschaffungswunsch mit!

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