Glückwunsch, KOBRA, zum Tag der Schlange!

Ein Beitrag von Sarah DellmannDer 16. Juli ist der Welttag der Schlange. Grund genug, sich einmal mit der bibliothekseigenen KOBRA zu beschäftigen.

Mit KOBRA online publizieren und die Publikation weltweit auffindbar, frei zugänglich und dauerhaft adressierbar machen

Die Schlange der UB Kassel heißt KOBRA (Kasseler OnlineBibliothek, Repository und Archiv) und ist eine Plattform, auf der Sie (Kopien ihrer) Publikationen online publizieren und damit weltweit auffindbar, frei zugänglich und dauerhaft adressierbar machen können. Also keine Schlange im klassischen Sinn, aber sie bietet auch für Schlangeninteressierte aller Disziplinen Lesenswertes.

Schlangen auf KOBRA

Die Beschäftigung mit Schlangen, das wird schnell deutlich, erfordert Geduld und starke Nerven. In den ökologischen Agrarwissenschaften begegnen uns „lange Schlangen“ überraschenderweise an Kassen [1], in der Politikwissenschaften vor Botschaften [2] und in der sozialen Arbeit vor den Ausgabestellen der Tafeln [3].

Hat man die nötige Geduld aufgebracht, erfordert die Beobachtung starke Nerven – und manchmal endet die Begegnung nicht gut. In der Bildungsforschung wird beobachtet, dass Schlangen bei Grundschulkindern Ängste erzeugen können [4], in der Theologie des Mittelalters erscheint die Schlange als drohende Verführung, vor der man auch bildlich gewarnt wird [5]. In der Medienpädagogik taucht sie als Accessoire des Wrestlers „Jake the Snake“ auf. Viel Glück brachte die Schlange dem Wrestler nicht, er wurde in einem Kampf verletzt und erblindete [6]. Noch drastischer wird es in der Landeskunde: Frauen, die eine ungewollte Schwangerschaft abbrechen wollten, drohte im Waldeck des 18. Jahrhunderts, gemeinsam mit einer Schlange und anderen Tieren in einen Sack gesteckt und ertränkt zu werden [7].

Unvoreingenommener als in den Kultur- und Sozialwissenschaften begegnet man Schlangen in den Ingenieurwissenschaften: Ohne viel Aufhebens finden wir sie in der Architektur als „Heizschlangen in der einschaligen Außenwand“ [8]. Und in der Fügetechnik wird explizit betont, dass die Schlange kein Zeichen eines „Nachteil des Verfahrens“ darstellt. [9] In der Statik wird von Schlangenlinien im Zuge von Verformungen gesprochen, die sich in eleganten Gleichungen ausdrücken lassen [10]. Im Vergleich zu oben genannten Grausamkeiten wirken die „schlangenlinienförmig durchgehende[n] Linien großer Verformung“ im Maschinenbau, die mit farbigen Abbildungen, die an eine bunte Reptilienhaut erinnern, dargestellt werden, geradezu poetisch [11].

Abbildung aus: Christoph Skotarek (2019) „Optische Verformungsmessung an heterogenen Werkstoffsystemen“, S. 52

Eine der wenigen positiv besetzten Schlangen auf KOBRA begegnet uns im Zusammenhang mit der Schöpfungsgeschichte der Völker des Rio Negro. Ein Wesen „das zugleich Schlange und Boot ist“ verteilt „kulturell wichtige Dinge“ als Geschenke [12]. Durch ein Studium der Schlange können weitergehende Fragen beantwortet werden: In der Biologie werden „Lektinfärbungen an Stützzellsekretgranula bei der Schlangenart Elaphe quadrivirgata“ bemerkt, die eine „reproduktionszyklisch bedingte unterschiedliche Sekretproduktion widerspiegeln sollen“ [13]. Eine Würdigung aus literaturwissenschaftlicher Sicht nutzt das Computerspiel „Snake“ als Auftakt für weitere Überlegungen zu Erzählwelten [14].

Wie wir Schlangen begegnen, kommt wohl auf unseren Standpunkt an, wie wir von der Psychologie lernen können: „Würde ein Mensch unseres Kulturkreises in seinem Garten plötzlich von einer Schlange angezischt, wäre der erste Impuls wegzurennen oder die Schlange zu töten, weil die meisten Menschen lernen: Schlange – böse! […] Wäre diese Person jedoch ein Herpetologe (Reptilienkundler), so wäre er [oder sie, Anm. d. Autorin] wahrscheinlich hoch erfreut […] Die gleiche Schlange, also der gleiche Reiz – jedoch völlig unterschiedliche Reaktionen. Unsere Reaktionen auf Umweltreize werden durch die Wahrnehmungen gesteuert, doch nicht alle unsere erlernten Wahrnehmungen sind zutreffend. Nicht alle Schlangen sind gefährlich!“ [15].

Schließen möchte ich mit einer kulturhistorischen Erwähnung aus dem „Inventarium Aller derjenigen Sachen so sich auf der Hoch-Fürsthl. Anatomie-Cammer sowohl an Hausrath, Chirurgischen und Anatomischen Instrumenten als auch allerhandt Gethieren oder deren Theile befinden“, die sich die Mühe macht, genau hinzuschauen: „Eine sehr schöhne Orientalische Schlange mit schwartz, weiß und blauen Schuppen, nebst einer Silberschlang.“ [16]

Teilen Sie Ihre Schlangenbeoachtungen auf KOBRA!

Egal ob Sie zu, mit oder ohne Schlangen forschen: Wir unterstützen Sie gerne dabei zu ermitteln, ob eine Publikation nach gültigem Recht bzw. Verlagsvertrag über KOBRA frei zur Verfügung gestellt werden darf. Auch wenn Ihre Publikation zuvor in Nicht-Open-Access Zeitschriften oder Sammelbänden erschienen sind, steht dies einer Zweitveröffentlichung auf KOBRA nicht unbedingt im Weg. Neben Artikeln können Sie auf KOBRA übrigens auch andere Veröffentlichungen wie beispielweise Konferenzbeiträge, Vorträge, Poster, und Präsentationsfolien einstellen. Schicken Sie uns eine E-Mail mit dem Betreff „Tag der Schlange“ an kobra@bibliothek.uni-kassel.de und wir melden uns umgehend bei Ihnen.

Kontakt:
Arvid Deppe
Leitung Publikationsdienste
Tel.: +49 561 804-2470
E-Mail: kobra@bibliothek.uni-kassel.de


Referenzen:
[1] Herausforderungen in der Kommunikation und Vermarktung von Produkten gefährdeter Nutztierrassen. doi:10.17170/kobra-202104153674 (S. 326)
[2] Solidarische Ökonomie in Argentinien nach der Krise von 2001 doi:10.17170/kobra-202009171818 (S. 7)
[3] Endlich?! : Setzen sich Menschenrechte als Normen Sozialer Altenarbeit durch? doi:10.17170/kobra-202011182201 (S. 340)
[4] Entwicklung von Interessen und Nicht-Interessen bei Kindern im Kindergarten, in der Grundschule und in der Sekundarstufe I. https://kobra.uni-kassel.de/handle/123456789/2010020831943 (S. 138)
[5] Biblische, mythische und fremde Frauen. Zur Konstruktion von Weiblichkeit in Text und Bild mittelalterlicher Weltkarten. http://hdl.handle.net/123456789/2006120516107 (S. 44)
[6] Höllen-Inszenierung „Wrestling“. https://kobra.uni-kassel.de/handle/123456789/2007090719187 (S. 167)
[7] Kindsmord in Waldeck. Die Verordnung „Zur Verhütung des Kinder-Mords“ aus dem Jahre 1780. https://kobra.uni-kassel.de/handle/123456789/2010031032252 (S. 113f)
[8] deep plan – die Architektur der tiefen Geschossbauten. https://kobra.uni-kassel.de/handle/123456789/2010092234646 (S. 11)
[9] Rotatives Vibrationsschweißen. doi:10.17170/kobra-202101192993 (S. 61)
[10] Statik und Einflussfunktionen – vom modernen Standpunkt. doi:10.17170/kobra-20200122947 (S. 308)
[11] Optische Verformungsmessung an heterogenen Werkstoffsystemen. doi:10.17170/kobra-202002271027 (S. 52)
[12] Gesellschaftliche Bündnisse zur Gewinnung des Naturbezuges: 20 Jahre Klima-Bündnis. doi:10.17170/kobra-202008281673 (S. 47)
[13] Der Recessus olfactorius von Bombina orientalis: Eine vergleichende Analyse. https://kobra.uni-kassel.de/handle/123456789/2018041255333 (S. 97)
[14] Spiel und Geschichte: Vorüberlegungen zu einer Narrativik des Computerspiels. doi:10.17170/kobra-202008181595 (S. 275)
[15] Die Bedeutung veränderter Bewusstseinszustände in der psychosozialen Beratung. Voraussetzungen und Strategien der Beratungsarbeit vor dem Hintergrund neuerer Entwicklungen in den Humanwissenschaften. https://kobra.uni-kassel.de/handle/123456789/2010120935072 (S. 108)
[16] Die Relevanz der Bilder für die Tier-Mensch-Relationalität: Kasseler Tierbilder zwischen Wunderkammer und dOCUMENTA (13). doi:10.17170/kobra-202012202754 (S. 295)

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