Kasseler Winterwetter 1768

Ein Beitrag von Dr. Brigitte Pfeil

Bei den Digitialisierungsarbeiten für das Onlinearchiv der Universität Kassel ORKA entdecken wir in unseren historischen Beständen immer wieder einmal ein ganz besonderes Stück, wie etwa kürzlich ein jahrhundertealtes Wettertagebuch aus Kassel, das wir Ihnen nicht vorenthalten wollen.

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Observations sur les changements du tems faites à Cassel pendant les années 1768-1771, Signatur:
In dieser Handschrift erfasste Johann Matthias Matsko, Mathematikprofessor am Collegium Carolinum, zwischen dem 12. Januar und 30. März 1768 dreimal täglich verschiedene Wetterdaten und verzeichnete akribisch Windrichtung, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck und allgemeine Wetterlage sowie die Temperatur: dabei verwandte er gleich drei Thermometer mit Messskalen nach Réaumur, Fahrenheit und l’Isle.

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Observations sur les changements du tems faites à Cassel pendant les années 1768-1771, Signatur:
Matskos Wettertagebuch ermöglicht uns die Beantwortung der spannenden Frage, wie der Winter in Kassel vor genau 250 Jahren war. Auf jeden Fall war es deutlich sonniger als in diesem Jahr, obwohl bereits Mitte Januar sonnig-kühle Tage mit Temperaturen um den Gefrierpunkt von einer längeren Phase trüben Wetters abgelöst worden waren. Schon Ende Januar / Anfang Februar folgte auf dieses nasskalte Wetter mit -3 bis 4°C dann allerdings wieder eine Periode sehr sonniger Tage und klarer mondheller Nächte. Laut Aufzeichnungen stieg das Thermometer in dieser Zeit in der Mittagssonne mehrfach über 20°C und einmal sogar über 30°C – das Messintrument muss in der prallen Sonne gelegen haben. Danach wurde es sukzessive deutlich kälter. Nach zwei sehr klaren kalten Nächten und kalt-sonnigem Winterwetter mit Tagestemperaturen von knapp über -10°C war am Morgen des 4. Februar die tiefste Temperatur des Winters 1768 erreicht: Das Thermometer war auf 8 Grad Fahrenheit (etwa -13°C) gefallen.

Glücklich dürften zu dieser Zeit jedoch die wenigsten Menschen über dieses aus heutiger Sicht prachtvolle Winterwetter gewesen sein: Ohne adäquate Winterkleidung und warme Winterschuhe nahmen die meisten Kasseler diese Tage wohl einfach nur als bitterkalt wahr und hofften darauf, dass die große Kälte möglichst bald vorübergehen möge.

Der Wunsch sollte sich bald erfüllen: Rasch und deutlich stiegen in der Folge die Temperaturen bis Ende Februar bei teils sonnigem, teils wechselhaftem Wetter bis um die 10°C an. Der März zeigte sich danach allerdings als typischer Frühlingsmonat: anfangs wieder kälter mit Wind, Regen und vereinzelten Schneefällen, zum Ende des Monats hin aber bereits mit Tagen voller Sonne und milden Temperaturen. Neugierig geworden? Schauen Sie einfach mal rein: ORKA – Stichwort:  Wettertagebuch.

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