Homeoffice #Tipp4

Tiere und Pflanzen bestimmen mit iNaturalist
Ein Beitrag von Stefanie Bräuning-Orth

Corona hin, Kontaktverbot her: Der Frühling ist da und mit den ersten warmen Sonnentagen beginnt es draußen zu blühen, zu kreuchen und zu fleuchen, was das Zeug hält. Da gibt es so einiges zu entdecken, ohne besonders in die Ferne schweifen zu müssen. Und hier kommt iNaturalist ins Spiel.

Mit Crowdsourcing die Erforschung der Biodiversität unterstützen

iNaturalist begann zunächst als Projekt im Rahmen einer Master-Arbeit an der UC Berkeley’s School of Information und ist seit 2014 eine gemeinsame Initiative der California Academy of Sciences und der National Geographic Society. Hinter dem Citizen Science Projekt steht die Idee, allen Interessierten die einfache Bestimmung von Tieren und Pflanzen zu ermöglichen und dabei gleichzeitig mittels Crowdsourcing nützliche Daten zu sammeln, die zur Erforschung der Biodiversität beitragen können. Aktuell verzeichnet iNaturalist mehr als 1,2 Millionen registrierte User. Darunter befinden sich zahlreiche Fachleute aber auch viele interessierte Laien, deren gesammelte Beobachtungen mit wissenschaftlichen Datensammlungen wie der Global Biodiversity Information Facility geteilt werden.

Verschiedene Arten der Nutzung von iNaturalist sind möglich. Zum Beispiel können Beobachtungen direkt über die Homepage eingegeben werden. Die meisten werden das aber mit Hilfe der App iNat tun wollen, die sowohl für IOS als auch für Android verfügbar ist und auf dem mobilen Endgerät eine schnelle Bestimmung der entdeckten Arten direkt vor Ort ermöglicht (Internetverbindung vorausgesetzt).

Das Ganze funktioniert denkbar einfach: Eine Pflanze oder ein Tier werden fotografiert und hochgeladen. Basierend auf dem Bild und dem übermittelten Standort wird mit Hilfe künstlicher Intelligenz eine Ähnlichkeitssuche über bereits vorhandenes Datenmaterial durchgeführt. Das Ergebnis zeigt, zu welcher Gattung die beobachtete Tier- oder Pflanzenart mit hoher Wahrscheinlichkeit gehört und um welche Spezies es sich dabei genau handeln könnte. Aus der so generierten Liste kann dann ausgewählt werden, welche Informationen der Beobachtung beigefügt werden sollen.

Naturbeobachtung mit der mobilen App von iNaturalist

Das klappt erstaunlich zuverlässig, viele Pflanzen und Tiere lassen sich auf diese Weise bereits relativ exakt bestimmen. Doch ist das Ergebnis nicht immer ganz eindeutig, und es macht Sinn, sich nicht in jedem Fall blind auf die automatisch erzeugten Ergebnisse einer App zu verlassen, speziell, wenn es um das Erkennen giftiger Tier- oder Pflanzenarten geht.

An dieser Stelle kommt die Community von iNaturalist ins Spiel, denn neben der Möglichkeit, die eigenen Beobachtungen zu dokumentieren und der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, können umgekehrt auch die Beobachtungen anderer User eingesehen, annotiert und diesen auch eine Identifikation hinzugefügt werden. Erst durch die Bestätigung weiterer Community-Mitglieder erhalten die eigenen Daten das Label Forschungsqualität. Gleichzeitig eröffnet sich dabei die Möglichkeit, sich mit anderen Usern zu vernetzen, die ähnliche Interessengebiete haben. iNaturalist ist somit nicht nur ein Tool zum Bestimmen von Pflanzen und Tieren, sondern auch ein soziales Netzwerk. Und es hat ja durchaus etwas ziemlich Spannendes an sich, wenn die Sichtung einer Großen Holzbiene im heimischen Garten von einem Bienenforscher der Universität Singapur bestätigt wird, oder ein in Paris wohnhafter Experte für Heteroptera einem zustimmt, wenn das auf der Kellertreppe fotografierte Krabbeltier sich als Amerikanische Kiefernwanze herausstellt.

Amerikanische Kiefernwanze | Bild: Kito32, pixabay

Neben der bereits beschriebenen Grundfunktionalität bietet iNaturalist eine ganze Reihe weiterer Features, die es zu entdecken lohnt. So können beispielsweise eigene Projekte zu speziellen Themen gestartet werden. Es ist außerdem möglich, sich an den Projekten anderer zu beteiligen. Während der Corona-Pandemie bietet sich zum Beispiel eine Teilnahme am Projekt Never Home Alone an, dessen Ziel es ist, jene Arten zu erfassen und zu dokumentieren, die unser Zuhause mit uns teilen. Diese und andere Ideen für die Zeit der Corona-Krise sind auf der Seite Exploring Nature When You’re Stuck at Home zu finden. Für Lehrkräfte, die iNat im Unterricht einsetzen wollen, gibt es einen umfangreichen Teacher’s Guide, der die hierfür notwendigen Informationen bereitstellt. Und last but not least gibt es mit Seek eine kinderfreundliche Version der iNat App, die ohne Registrierung genutzt werden kann und keine persönlichen Daten übermittelt. Kinder und Familien können damit die Lebewesen in Ihrer Umgebung entdecken und erkunden und lernen so auf spielerische Art, die Natur besser zu verstehen und zu schützen. 

Fazit: iNaturalist ist ein spannendes Projekt, das auf Basis von Crowdsourcing wertvolle Daten für die Biodiversitätsforschung liefert, auf vielfältige Art in der Lehre einsetzbar ist, naturbegeisterte Menschen auf der ganzen Welt miteinander vernetzt und darüber hinaus auch in Zeiten von Corona Spaß und Unterhaltung für die ganze Familie bereit hält.

Links:
iNaturalist
UC Berkeley’s School of Information
California Academy of Sciences
National Geographic Society
Global Biodiversity Information Facility
Citizen Science (Wikipedia)
Crowdsourcing (Wikipedia)
Never Home Alone
Exploring Nature When You’re Stuck at Home
Teacher’s Guide
Seek (Version für Kinder)

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