UB erhält bedeutenden Briefnachlass

Ein mehr als 1.000 Briefe umfassender Teilnachlass von Rebecka Mendelssohn Bartholdy und Gustav Dirichlet geht in das Eigentum der Universitätsbibliothek Kassel über.

Die Philosophisch-Politische Akademie e.V. mit Sitz in Bonn überträgt der UB Kassel in großzügiger Weise das Eigentum am Teilnachlass Dirichlet, um diesen für die Kultur- und Wissenschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts außerordentlich bedeutsamen Bestand in seiner Gesamtheit für die Öffentlichkeit zu erhalten und dessen freie Zugänglichkeit auf Dauer sicherzustellen.

RahelVarnhagen an RebeckaDirichlet-1832-05-21

Brief von Rahel Varnhagen an Rebecka Dirichlet vom 21. Mai 1832

Die Briefe stammen aus dem Nachlass des früh verstorbenen Philosophen Leonard Nelson (1882-1927), eines Urenkels von Rebecka und Gustav Dirichlet, der seine Bibliothek und seinen weiteren Besitz der Philosophisch-Politischen Akademie (PPA) vermacht hatte. Sie waren in der Zeit des nationalsozialistischen Unrechtsstaats in die Landesbibliothek Kassel überführt und seither dort aufbewahrt worden.

Bei den mehr als 1.000 Briefen, deren Existenz bisher nur engen Fachkreisen bekannt war, handelt es sich um private Korrespondenzen von Rebecka Dirichlet, geb. Mendelssohn Bartholdy (1811-1858), der Schwester Felix Mendelssohn Bartholdys und Fanny Hensels, sowie von deren Ehemann, dem bekannten Mathematiker Gustav (Lejeune) Dirichlet (1805-1859). Die Überlieferung umfasst im Wesentlichen den Zeitraum von etwa 1822 bis 1858. Der Bestand enthält überwiegend Briefwechsel des Paares miteinander und mit der Mutter Dirichlets, aber auch mit engen Bekannten beider und eröffnet so einen breiten Einblick in das private und gesellschaftliche Leben der eifrigen Briefeschreiberin Rebecka Dirichlet und ihres engsten Umfelds.

Der heute in der UB Kassel lagernde Briefbestand wurde zusammen mit der Privatbibliothek Nelsons und der Bibliothek der Philosophisch-Politischen Akademie (PPA) bis Herbst 1934 im Landerziehungsheim Walkemühle bei Melsungen aufbewahrt. Dort befand sich ab 1922/24 die mit Nelson eng verbundene Philosophisch-Politische Akademie, die zentrale Bildungs- und Schulungsstätte des antifaschistischen Internationalen Sozialistischen Kampfbundes (ISK) und des Internationalen Jugendbundes (IJB). Bereits Mitte März 1933 wurde die Walkemühle von den Nationalsozialisten besetzt und bald darauf zu einer nationalsozialistischen Führungsschule umgewidmet. Die Bewohner der Walkemühle mussten nach der Auflösung ihrer Schulungsstätte ins Exil nach Dänemark fliehen, während die PPA vom preußischen Staat enteignet und aufgelöst wurde.

Die umfangreiche Bibliothek der Walkemühle sowie weiteres Schriftmaterial konnten jedoch im September 1934 durch das Zusammenspiel des Zentrumsmannes Heinrich von Gagern, damals Landrat des Kreises Melsungen, und des regimefernen Direktors der Kasseler Landesbibliothek Dr. Wilhelm Hopf dem Zugriff der NSDAP entzogen werden, indem die Bestände nach Kassel überführt und dort umgehend in den Bestand der Landesbibliothek eingearbeitet wurden. Während die Bücher beim Bombenangriff 1941 zusammen mit den Druckbeständen der Landesbibliothek verbrannten überstand das Briefmaterial den Krieg unversehrt.

Die Briefe werden in nächster Zeit sukzessive digitalisiert und über das Onlinearchiv der Universitätsbibliothek Kassel ORKA zugänglich gemacht werden. Eine vorläufige Bestandsliste ist über die Webseite der Universitätsbibliothek Kassel einsehbar.

PDF der Bestandsliste:
https://www.uni-kassel.de/ub/historisches-erbe/sondersammlungen/nachlaesse/dirichlet.html

Geschichte des Landerziehungsheims Walkemühle:
https://www.landerziehungsheim-walkemuehle.de/index.php?title=Hauptseite

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