Open Access Week 2019: Transformation im großen Stil mit DEAL?

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Die Max Planck Digital Library (MPDL) ist ein starker Befürworter von Open Access und bewegt in diesem Bereich viel. Sie ist Initiatorin der OA2020-Mission, die auch die Universität Kassel unterzeichnet hat. Ihr stellvertretender Leiter Dr. Ralf Schimmer hob in seinem Vortrag zur Open Access Week 2015 an der Universität Kassel hervor, dass es der Open-Access-Bewegung auch viele Jahre nach der Budapest Open Access Initiative nicht gelungen ist, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrem Publikationsverhalten maßgeblich zu beeinflussen. Zwar wird Open Access in Umfragen meist positiv bewertet, dennoch ändert dies nicht viel daran, dass nach wie vor Subskriptionszeitschriften renommierter Verlage bevorzugt werden, möglichst noch mit hohem Impact Factor, wenngleich dieser nichts über die Qualität einzelner Artikel aussagt. Der Anteil an Gold-Open-Access-Artikeln lag 2015 bei mageren 13%.

Zugleich wies die MPDL in einem viel zitierten Paper nach, dass die gegenwärtigen weltweiten Ausgaben wissenschaftlicher Einrichtungen für Zeitschriftensubskriptionen mehr als ausreichend wären, um ein transformiertes Publikationswesen nach dem Prinzip des Open Access zu finanzieren.

Geld im Publikationsmarkt

Im gegenwärtigen Subskriptionsmarkt kostet ein Zeitschriftenartikel 3.800 EUR. Unter der Annahme von 2.000 EUR pro Artikel in einem reinen Open-Access-Markt wäre genug Geld im System vorhanden.

Und so entstand folgende Idee: Wenn die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht zu Open Access kommen, muss Open Access zu ihnen kommen. Die etablierten Zeitschriften und letztendlich auch die dahinterstehenden Verlage sollen Open Access werden, und zwar durch sogenannte Transformationsverträge. Es gibt unterschiedliche Modelle, doch das Prinzip ist immer ähnlich. Die beteiligten Einrichtungen erhalten lesenden Zugriff auf die Zeitschriften eines Verlags, und die Artikel ihrer Angehörigen werden vom ersten Tag an im Open Access freigeschaltet. Mit der Zeit soll dadurch ein so großer Anteil an frei zugänglichen Artikeln erreicht werden, dass Subskriptionen unattraktiv werden und ganze Zeitschriften und schließlich der Verlag zu reinem Open Access geswitcht wird.

Für Deutschland verhandelt das Projekt DEAL zunächst mit den drei größten Verlagen Elsevier, Wiley und Springer Nature solche Transformationsverträge. Ein erster Vertragsabschluss mit Wiley mit einer Laufzeit bis 2021 gelang Anfang dieses Jahres. Für jeden Artikel, den Angehörige der teilnehmenden Einrichtungen, so auch der Universität Kassel, bei Wiley veröffentlichen, erhält der Verlag eine Publish&Read-Fee von 2.750 EUR. Dafür bekommen alle teilnehmenden Einrichtungen Zugriff auf das komplette Zeitschriftenportfolio des Verlages und die jeweiligen Artikel sind unmittelbar Open Access verfügbar. Zudem können die Angehörigen auf Kosten ihrer Einrichtungen in den reinen Gold-Open-Access-Zeitschriften des Verlags publizieren. Ein vergleichbarer Vertrag mit Springer Nature wird für Anfang 2020 erwartet. Die Verhandlungen mit Elsevier dagegen stocken seit Mitte 2018 mit der Folge, dass die meisten deutschen Wissenschaftseinrichtungen keinen Zugriff mehr auf die aktuellen Jahrgänge der Elsevier-Zeitschriften haben.

Ob solche Transformationsverträge zum gewünschten Ziel führen werden, bleibt abzuwarten. Sie haben Befürworter und Kritiker. Ihr Erfolg wird stark von den weiteren Verhandlungen und der Ausgestaltung der Folgeverträge abhängen, die nach dem Willen von Projekt DEAL reine Open-Access-Verträge sein sollen. Das Argument der MPDL, dass die gewünschte Transformation trotz aller Bemühungen und Willensbekundungen bisher im großen Stil ausgeblieben ist, ist nicht von der Hand zu weisen. Somit scheint es nur logisch, auf eine Transformation der Subskriptionsverlage hinzuarbeiten. Andererseits wird die Bezahlung von Artikelgebühren wie gesagt durchaus kritisch gesehen, weil sie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bestimmter Disziplinen und Länder benachteiligt. Auch der Umstand, dass das Publikationswesen somit weiterhin von großen, kommerziellen Wissenschaftsverlagen abhängt, ist zu hinterfragen. Zwar hat die MPDL aufgezeigt, dass insgesamt genug Geld im System ist, jedoch müssen publikationsstarke Einrichtungen bei einem publikationsbasierten Abrechnungsmodus mit erheblichen Mehrkosten rechnen, während kleinere Einrichtungen am Ende finanziell besser dastehen.

Letztendlich sind Transformationsverträge der Versuch, die Open-Access-Transformation voranzubringen, und sollten als solche verstanden und ausprobiert werden, nicht ohne andere Wege, Initiativen und Finanzierungsmodelle zu vernachlässigen. In unserem letzten Beitrag zur Open Access Week zeigen wir auf, wie Sie unabhängig von großen Verträgen die Open-Access-Transformation auf dem Grünen Weg voranbringen können.

Kontakt:
Dr. Tobias Pohlmann
openaccess@bibliothek.uni-kassel.de
0561 804 2529

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